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Manuka - "Der Teebaum von Neuseeland"

Ich bin vor vier Jahren um den halben Erdball gereist, ohne mir bewusst zu sein, welche Rolle der Manukabaum im Alltag auf der Insel Neuseeland spielt. Ich muss sogar einräumen, dass ich als Aromatherapeutin bis dahin sehr wenig über das Manukaöl wusste und auch kaum Erfahrungen damit gemacht hatte. Dies hängt mit meiner Abneigung gegenüber dem Duft des aus Australien stammenden Teebaumöls zusammen. Der neuseeländische Bruder jedoch verströmt in grosser Verdünnung einen wunderbar weichen, krautigen, etwas frisch anmutenden und „gesunden“ Duft, den ich immer mehr zu schätzen und lieben lernte.

 

Unterwegs auf der Südinsel Neuseelands ist man sowohl in tiefen Lagen wie auch in Bergregionen umgeben von einer üppigen Vegetation, kein Wunder bei dieser grossen Menge an Niederschlägen… Neben den riesigen Bäumen, selbst Farne zeigen sich in Baumform, wächst der Manuka, die heilige Kraftpflanze der Maori. In der Kultur der Urbevölkerung Neuseelands spielt dieser eine zentrale Rolle, wie schon die rituelle Begrüssung eines neugeborenen Sohnes zeigt: „Sei willkommen, Sohn, in der Welt des Lebens. Du wirst so stark sein wie der Manuka.“ Denn ein Familienoberhaupt sollte so widerstandsfähig und kräftig sein wie der Manuka, um dem Feind klug und siegreich zu begegnen.

Die Maori sind sich somit der ausserordentlich kraftvollen Wirkung des Manuka bewusst. Sie verwenden verschiedene Teile des Baumes gegen die unterschiedlichsten Beschwerden: Sie kauen die Samen bei Durchfall, kochen das Holz aus, um blankliegende Nerven zu beruhigen und machen Umschläge mit den Blättern, um einen schmerzenden Bauch zu besänftigen.

 

So bekommt man auch als Reisender diese Präsenz des Manuka auf der Insel an jeder Ecke zu spüren. Überall finden sich Produkte, die intensiv nach Manuka riechen, von einfachen Körperpflegeprodukten, über Manukahonig oder Tee, bis hin zu Manukabiscuits. Alles in allem ein überaus intensives Dufterlebnis, das mich für immer mit dieser grünen und einzigartigen Insel verbinden wird. Die Vegetation erinnert teils an die Schweiz, jedoch wächst alles grösser, höher und üppiger als bei uns und sogar die „Kraft“ eines ätherischen Öles ist stärker, als wie wir es von unseren Heilkräutern her kennen.


Den Manuka nennt man den Teebaum von Neuseeland, da er in seiner Wirkung dem australischen Bruder sehr ähnlich ist. Ursprünglich stammt der bis zu acht Meter hohe Manukabaum sogar aus Australien. Sein Vorkommen erstreckt sich von Tasmanien über Neuseeland und Neuguinea bis nach Südostasien. Das Myrtengewächs hat keinen ausgeprägten Zentralstamm, es wirkt eher buschartig. Riesige Manuka-Wälder ergiessen sich sogar auf nährstoffarmem Boden. Selbst in aktivem Vulkangebiet gedeiht die Pflanze wie Unkraut mit unglaublicher Stärke und Kraft, und so ist auch ihre Wirkung.

Das Erscheinungsbild ihrer Blüte ist von vollkommener Schönheit: von weiss bis rot-violett im Kontrast zum tiefgrünen Blattwerk. Aus der Nähe betrachtet ein wahres Kunstwerk!

Ruth von Braunschweig, eine Pionierin in der Aromatherapie, hat 1990 das ätherische Öl des Leptospermum scoparium von Neuseeland nach Deutschland gebracht und massgeblich dazu beigetragen, dass dieses Öl in seiner wertvollen Anwendung bekannt und zunehmend geschätzt worden ist und wird.

 

Zur Gewinnung des ätherischen Öles werden Blätter und Zweige des jungen Manukabaumes destilliert. Die Inhaltsstoffe des ätherischen Öles sind ebenso reichhaltig wie jene des Teebaumes. Sie sind jedoch in ihrer Komplexizität der 30 Inhaltsstoffe jener der australischen Variante überlegen. Daraus resultiert auch dieses wundervolle und einzigartige Duftbouquet von weich, über herb bis hin zu etwas medizinisch.

Wie die ätherischen Öle von Lavendel und Rose darf auch Manuka unverdünnt auf die Haut aufgetragen werden. Ein Verträglichkeitstest ist jedoch auf jeden Fall zu empfehlen, da jeder Mensch individuell reagieren kann.

Auf der körperlichen Ebene wirkt Manuka sehr stark antibakteriell und antimykotisch, was es zu einem wirkungsvollen Wundheilmittel macht und in der Haut- und Schleimhautpflege eingesetzt werden kann. Medihonig, eine spezielle Mischung von heimischem und Manukahonig zu je 50 %, erhältlich in Apotheken, wird erfolgreich in der Dekubituspflege (Wundliegen bei bettlägrigen Patienten) eingesetzt. Er kann auch ohne weiteres für die Wundversorgung von schlecht heilenden Wunden verwendet werden.

 

Für die Akne geplagte Haut habe ich gute Erfahrungen mit einer Maske aus Heilerde gemacht. Eine wirkungsvolle Möglichkeit, ohne Gefahr zu laufen, dass die Haut austrocknet, wie das bei den herkömmlichen Aknepflegemitteln oft der Fall ist.

 

 

 

Gesichtsmaske bei Akne

1 Portion Heilerde

5 Tropfen Lavendel fein

3 Tropfen Manuka

 

Entweder mit Wasser oder, noch schöner, mit Rosenhydrolat anrühren. Dieses wirkt zusätzlich desinfizierend und beruhigend auf die Haut.

Im Erkältungsbalsam aus Olivenöl und Bienenwachs wirkt der heilige "Baum der Maori" schleimlösend und stärkt das Immunsystem

Manuka darf in all diesen Anwendungen bedenkenlos auch bei Kindern und älteren Menschen angewendet werden, wo hingegen beim Teebaum mehr Vorsicht geboten ist.

Die folgende Ölmischung kann als wirkungsvolle tägliche Fussmassage auch bei Kindern eingesetzt werden, als immunstärkende Vorbereitung auf die Winterzeit:

 

Zur Stärkung des Immunsystems

100 ml Mandelöl

7 Tropfen Lavendel fein

3 Tropfen Manuka

2 Tropfen Mandarine rot oder Grapefruit komplett

Seine grosse Stärke entfaltet der Manuka als Schutzschild für Haut und Nerven. Die Haut ist nicht nur physisch unsere Abgrenzung zur Aussenwelt sondern auch seelisch. Nicht umsonst sagt man, die Haut sei der Spiegel unserer Seele. Viele Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne reagieren auf Stress. Manuka hilft, die Haut gegen Belastungen durch die Umwelt äusserlich und innerlich zu schützen, wirkt ausgleichend bei Nervosität und beruhigt bei Reizüberflutung. Er macht die Haut widerstandsfähig und kleidet die Nerven in einen schützenden Mantel. Das Selbstvertrauen wird gestärkt. 

Ein schönes Ritual ist es, sich am Morgen mit einer Manuka Body Lotion den Bauch einzucrèmen und sich so in ein symbolisches „Schutz-Mänteli“ für den Tag zu hüllen. So sind wir gestärkt und gewappnet für alle Anforderungen, die uns ein Tag bereiten mag. Für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Konzentrations-Schwierigkeiten kann dies ein hilfreiches Morgenritual sein.

Mein Morgenritual auf der Südinsel Neuseelands!

Reizüberflutung ist hier ein Fremdwort.

Ich setze das ätherische Öl zudem gerne bei Menschen ein, die ein grosses Sicherheitsbedürfnis haben, die selten bis nie ein Risiko eingehen mögen und daher sogar auf ihre Träume verzichten. In Kombination mit der Rose gibt Manuka einen schönen Anstoss seine Träume zu leben!

Auf Grund von Studien wissen wir, dass diese grossen Stärken des Manukas vor allem deshalb wirken, weil das ätherische Öl erwiesenermassen direkt das Zentralnervensystem beruhigt und unser Herz entspannter schlagen lässt.

Der Manuka kann sehr, sehr viel, nur als Gewürz in der Küche findet man keine Verwendung für ihn, ausser vielleicht als Honig. Dieser ist jedoch vielmehr Medizin als Genussmittel, schon auf Grund seines Preises. Die Nachfrage von Manukaprodukten ist nur schon zwischen 2010 und 2015 so rasant gestiegen, dass sich zum Beispiel der Preis für 1 kg Honig in dieser Zeit verdreifacht hat.

 

So gebe ich Euch ein wundervolles Rezept mit einem anderen Myrtengewächs mit auf den Weg und wünsche genussvolles Kochen und Essen!

„Mistkratzerli im Duftmantel"

Zutaten:

1 Mistkratzerli (Coquelets)

viele Myrthenblätter

Salz, Pfeffer aus der Mühle

1 EL Zitronesaft und abgriebene Schale

Olivenöl zum Bepinseln

 Zubereitung:

  • Ofen auf 220 Grad vorheizen
  • Mistkratzerli unter kaltem Wasser abspülen und trockentupfen
  • Eine Marinade aus Olivenöl, Zitronensaft und abgeriebener Schale, grob angemörserten Myrthenblättern, Salz und Pfeffer herstellen. Mit zwei Fingern im Brustteil unter die Haut des Hühnchens fahren und diese sorgfältig etwas ablösen. Ganze Myrtenblätter darunterschieben. Zudem den Bauch mit Marinade ausstreichen und einige ganze Myrtenblätter hineingeben. Das Mistkratzerli rundum mit Marinade bestreichen und einmassieren. Zusätzlich einige ganze Myrtenblätter zwischen die Schenkel schieben
  • Das Federvieh im Duftmantel in einer feuerfesten Form auf der zweituntersten Rille in den Ofen schieben und während dem Braten immer wieder mit dem Saft bepinseln. So wird es schön knusprig. Nach ungefähr 30 Minuten sollte das Fleisch gut durch und die Haut schön gebräunt sein!

Myrtenblätter kenne ich als Gewürz aus dem Mittelmeerraum und setze diese oft an Stelle von Lorbeer ein. Die letzten Blätter habe ich von der griechischen Insel Alonissos nachhause gebracht. Ihr findet den Myrtenbaum aber auch auf Sardinien oder Korsika.

Und wenn Ihr eine andere Variante für das „Mistkratzerli im Duftmantel“ habt, lasst es mich wissen!

 

Mit duftenden Grüsse

 

Eure Odorata

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