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Hopfen - "Mehr als Bier"

Frauen scheinen dazu bestimmt, für ihre Rechte, ihr Wissen und Können einzustehen. Nicht wie vielfach angenommen, war das Brauhandwerk ursprünglich fest in Frauenhänden. Diese hüteten das Geheimnis des Bierbrauens und gaben es von Generation zu Generation weiter. Die Frauen, die gutes Bier brauten, sollen über übernatürliche Kräfte verfügt haben. Misslang ein Biersud, suchte man nach Schuldigen. Im Mittelalter wurden die „Bierhexen“ verfolgt und getötet. In Deutschland kam es mehrfach zu Hexenverbrennungen und 1782 zur letzten in der Schweiz.


Erste Funde von Samen des Humulus lupus führen uns in die Jungsteinzeit. Doch erst 1050 n.Chr. wird der Hopfen erstmals als Medizinalpflanze in einem englischen Kräuterbuch erwähnt.

Einen grösseren Stellenwert hatte dieser vielmehr als flüssiges Nahrungsmittel in den Klöstern. Mönche machten die Erfahrung, dass Hopfenzapfen lange haltbar und fäulnisresistent sind. Sie konservierten Wein mit Hopfen und brauten Bier. Das nahrhafte Getränk war ihnen während der Fastenzeit als „flüssiges Brot“ erlaubt. Zudem hemmte es ihre körperlichen Gelüste. Ob das wohl der Grund war, warum die Brauerei bald fest in den Händen der Klöster lag? – Denn „Hopfen und Malz, Gott erhalt’s“.

In der heutigen Zeit erlebt nicht nur die Bier Brauerei mit einer Vielfalt von Neukreationen einen Aufschwung, auch bezüglich Heilwirkung dieser dekorativen Kletterpflanze wird geforscht, wobei man vorallem in der Frauenheilkunde und Krebsforschung zu spannenden Erkenntnissen kommt.

Botanisch gesehen gehört der Hopfen in die Familie der Cannabisgewächse. Er liebt einen feuchten, gut durchlässigen Boden und gemässigtes Klima. Der bis zu 8 Meter hohe Kletterer nimmt es lässig mit der Schwerkraft auf. Sind ihm die Temperaturen in den Wachstumsphasen genehm, kann er locker 30 Zentimeter am Tag zulegen und erreicht in 70 Tagen seine Höhe. Nach dem längsten Tag im Jahr wächst er dann nur noch in die Breite.

In Hopfenkulturen werden nur weibliche Pflanzen angebaut, da diese die Wirkstoffe in ihren unbefruchteten, dekorativen Hopfenzapfen enthalten.

Im Frühjahr streben die ersten Hopfensprossen ans Licht, pro Stock sind das rund 100 Triebe, doch nur 3-7 werden weitergezogen. Sie ranken auf der Nordhalbkugel rechtswindend um die Kletterhilfe. Mit feinen Widerhäkchen, die mit ihren Kieselsäureeinlagerungen so stabil sind, dass auch Stürme die Verankerung nicht lösen können, sind sie unentwegt auf Suche nach Kletterhilfe und winden sich in alle Richtungen.

Ab Ende Juli schmücken die dekorativen hellgrün leuchtenden Hopfenzapfen der weiblichen Pflanze die dunkelgrünen, borstigen Ranken. In den kleinen Drüsenkörpern reift goldgelbes Drüsenmehl, ein harzig bitterer Wirkstoff, das Lupulin. Diese Hopfenbittersäuren sind für den edlen Geschmack des Bieres zuständig und geben ihm die gewünschte Würze.

Die weiblichen, unbefruchteten Hopfenzapfen werden für die Bierbrauerei, als Heilmittel und zur Dekoration verwendet. Männliche Hopfenblüten sind sehr unscheinbar.

Für die Heilwirkung des Hopfens sind einerseits die Bitterstoffe verantwortlich. Sie steigern die Magen- und Gallensaftsekretion, lindern nervöse Magenleiden und wirken Appetit anregend.

Vorallem die ätherischen Öle lindern alle Formen von Nervosität, wie Reizbarkeit bei Erschöpfung, nervös bedingte Herzbeschwerden oder ein überreiztes Nervensystem bei Schilddrüsenüberfunktion.

Als Ganzes wirkt der Hopfen beruhigend, entspannend, krampflösend und Schlaf fördernd. So erstaunt es nicht, dass viele Leute nach einem intensiven Tag sich auf ihr Feierabendbier freuen.

Hopfentee (oder Hopfenmilch mit Honig)

1-2 Teelöffel Hopfenzapfen mit 150ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen.

4-6 Wochen 2-3x täglich

Zur Beruhigung oder vor dem Schlafen gehen trinken.

 

Den Einfluss von Hopfen auf den weiblichen Hormonhaushalt beobachtete man schon früh bei den Hopfenpflückerinnen. Entweder setzte die Menstruation verfrüht ein oder es kam zu Zyklusanomalien. Neuere Studien belegen, dass das pflanzliche Östrogen 8-Prenylnaringenin den weiblichen Östrogenhaushalt vorallem in den Wechseljahren günstig beeinflusst, sodass Wechseljahrbeschwerden wie Wallungen, Stimmungsschwankungen, Herzklopfen und Schlaflosigkeit weniger heftig ausfallen. Pflanzliche Östrogene haben zudem den Vorteil, im Gegensatz zu synthetischen, dass sie wissen wann es ein Mehr beziehungsweise ein Weniger an Hormonen braucht.

Wechseljahrtee

Eine Mischung aus je 20g:

  • Salbei (lindert die Wallungen)
  • Hopfenzapfen und Rotkleeblüten (gleichen die Östrogen- Progesteron Disbalance aus)
  • Melissenblätter und Weissdornkraut (beruhigen das Herz und die Nerven)

Während 6-8 Wochen 3x täglich eine Tasse trinken und dann sind wir Frauen genauso friedliebend wie die Männer unterwegs, wenn sie ihr Bierchen geniessen.

Ein weiterer Wunderstoff des Hopfens heisst Xanthohumol. Ihm wird nachgesagt, dass er die Teilung und Reproduktion von Krebszellen eindämmt oder gar verhindert. Doch da steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen und auf dem Weg, das grosse Potenzial des Hopfens zu entdecken.

Was die Anwendung dieses wunderbaren Kletterers betrifft, der noch immer von Bedeutung im Stammertal ist, können wir dem Spruch von Hippokrates (460 – 377 n.Chr.) folgen:

 

„Eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel und eure Nahrungsmittel eure Heilmittel sein.“

Hopfenspargeln in Essig eingelegt und Maitriebe als Pesto zu Mais-Crackern

Von März bis anfangs April lässt sich der weisse „Hopfenspargel“ graben, in Butter gedünstet oder in Essig eingelegt, eine Delikatesse.

Die ersten grünen „Maitriebe“, die aus dem Boden ranken, wirken besonders anregend auf die Magendrüsen und können wie Spinat unseren Frühlingsspeiseplan bereichern.

Gegen Ende Juli, anfangs August ernten wir die Hopfenzapfen, um diese entweder frisch oder getrocknet als Tinktur, Magenbitter oder Tee zu verwenden. Die Hopfenzäpfchen unbedingt innerhalb von 24 Stunden trocknen und mit einem Tuch das wertvolle Lupulin auffangen. Am besten geht das auf einem Wäscheständer, auf einem Tuch die Zapfen auslegen.

Ich habe kleine Stammer Hopfen - Schlaf-kissen mit Lavendel (aus der Ardèche) und Damascener Rose (aus Marokko) genäht für einen königlichen Schlaf!

Gerne können diese wunderbar duftenden Schlafbegleiter bei mir bezogen werden.

Meine Wahl, bezüglich Kochrezept ist für einmal sehr einfach ausgefallen. Diese Salbeimüsli waren schon bei meinen Töchtern, als sie noch klein waren, eine beliebte, würzige Nascherei und heute immer wieder etwas Besonderes und Dekoratives.

Salbei – „Müsli“ im Bierteig

75g              Bier

75g              helles Dinkelmehl

1                  ganzes Ei

etwas          Salz

1 Prise         Backpulver

nach Lust    Pfeffer oder Paprika

Den Bierteig gut verquirlen und eine Stunde ruhen lassen. Dann schöne grosse Salbeiblätter durch den Teig ziehen und in heissem Kokosfett ausbacken.

Eine kleine Leckerei zum sommerlichen Aperitif!

Nun wünsche ich Euch in Begleitung des Hopfens erholsame Nächte in doch eher unruhigeren Zeiten und für die Frauen entspannte und spannende Wechseljahrzeiten!

 

Herzlichst

 

Eure Odorata

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Kommentare: 1
  • #1

    Erika Briggen (Mittwoch, 26 Juni 2019 17:23)

    Super etwas ganz Neues für mich!
    Meinst ein so Schlaf-Kisseli wäre etwas für mich?
    Salbei Müsli schmecken sicher gut. Freue mich wenn du machst!!!