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Wilder Oregano - "Duft des Südens"

Bei meinem inspirierenden Spaziergang durch die Juli – Wiesenapotheke begegne ich dem leuchtend gelben, stimmungsaufhellenden Johanniskraut; der Leber stärkenden rosa bis weiss blühenden Schafgarbe; unserer „Klimaschützerin“, der Brennnessel, voll behangen mit wahren Energiebomben, ihren Samen; dem unser Gedankenrad beruhigenden Baldrian mit seiner schön weissen Doldenblüte; dem nach frischem Heu duftenden Steinklee und überall dazwischen ragt die stolze Königskerze mitten aus der Wiese, die uns im Winter wieder über so manchen Husten hinweghilft. Und da ist noch der von hellrosa bis lila blühende Wilde Oregano, der von Vorderasien und Indien über die Mittelmeerländer zu uns gelangt ist und Einzug in unsere Küche gehalten hat. Der uns in einer Fülle in der Natur zu Füssen liegt und doch immer wieder ein unscheinbares Dasein fristet, trotz seinen wertvollen und duftenden Qualitäten.


Schon die alten Griechen würzten ihren schweren Wein mit oros ganos (griech. "Freude der Berge") und versprachen sich davon eine Steigerung der Liebeskraft. So war das Kraut auch der Liebesgöttin Aphrodite geweiht. Eine Sage erzählt, dass die Göttin auf Zypern ihren Liebling Amarakos (griech.  Majoran) in diese Pflanze verwandelte.

Sowohl bei den alten Ägyptern finden wir Nachweise über den Anbau von marjamie, "der Unvergleichlichen" und auch in der römischen Literatur taucht das Liebeskraut immer wieder auf.

 

 

In der christlichen Tradition ist das stark aromatisch duftende Kraut fester Bestandteil des „Kräuterbuschen“ an Maria Himmelfahrt. Als „gutes Hexenkraut“ im Schlafgemach vertreibt es Hexen und Gespenster.

Was auch immer wir glauben, die blühende Pflanze macht sich auf jeden Fall sehr schön in einem bunten Wiesenstrauss.

Der Wilde Oregano, auch Dost genannt, gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler wie der Basilikum, Lavendel oder Thymian auch. Wir erkennen diese Familie an ihren 4-kantigen Stängeln. Der Origanum vulgare wird bis zu 50cm hoch, hat aromatisch duftende dunkelgrüne weiche Blätter. Ab März treibt die mehrjährige Pflanze fast flächendeckend an Waldrändern aus. Seine hellrosa bis lila Blüten im Juni sind wahre Schmetterlingsweiden.

Geerntet wird das Pflänzchen Wohlgemuth idealerweise kurz vor dem Öffnen der Blüte. Da enthält es am meisten ätherische Öle. Die laufend gepflückten Triebspitzen können gut für den Wintervorrat getrocknet werden.

Die ganze Pflanze enthält neben den ätherischen Ölen sowohl Bitter- wie Gerbstoffe, was zusätzlich ihre Wirkungsweise auf die Verdauung verstärkt. Fette Speisen werden schmackhafter und bekömmlicher. Das Bratenkräutel wirkt zudem krampflösend auf die glatte Muskulatur bei Bauchschmerzen, Durchfall, Bronchitis und Menstruationsbeschwerden. Seine keimtötende, schweisstreibende und schleimlösende Wirkung hilft bei Erkältungen mit Husten. Und die antivirale Wirkung wurde, wie bei der Melisse auch, bei Lippenherpes nachgewiesen. Wobei ich persönlich da die heilwirkungskräftigere Melisse bevorzuge.

Heil- und Würzöl

 

10g         getrockneter Majoran

90ml       natives Olivenöl

 

3 Wochen ziehen lassen, abgiessen und in eine dunkle Flasche füllen.

Zum Einreiben der Brust bei verschleimtem Husten, Muskelverspannungen und steifem Hals.

Oder zum Würzen von Speisen, um sie bekömmlicher zu machen.

 

Der intensivere Geruch und das Aroma des Wilden Oreganos aus Griechenland oder Italien hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Thymian. Würzig, herb und intensiv im Duft. Es lohnt sich diese Gewürze als Feriensouvenir nachhause zu nehmen, da die mediterranen Pflanzen einen höheren ätherisch Ölgehalt aufweisen als in unseren Breitengraden.

Das reine ätherische Öl duftet weicher, würzig-warm bis energisch pfeffrig je nach Herkunft und hat einen etwas anderen Wirkungsbereich.

Es wirkt auch krampflösend, entspannend auf die Muskulatur und bei Gelenkschmerzen, aber eher anaphrodisierend. Und seine Fett verdauende Wirkung ist weniger ausgeprägt. Es ist ein wunderbares Öl um überreizte Nerven zu beruhigen, die zu Verdauungsbeschwerden, Angst und Schlafstörungen führen. 

Nasensalbe einfach selbst gemacht

 

10g     Kokosfett (nimmt die Rötung)

3 Tr.    ätherisches Majoranöl (Origanum vulgare)

3 Tr.    ätherische Myrte türkisch

           (Myrtus communis)

 

Das Kokosfett leicht erwärmen und die ätherischen Öle einrühren. Die Salbe auskühlen lassen und in einem Töpfchen kühl aufbewahren.

Die Nasenflügel und Stirnpartie damit einreiben. Eignet sich auch sehr gut für Kinder.

 

(Hopfenoregano, eine wunderschön dekorative und nach Oregano duftende Pflanze)

 

In meiner Praxis findet das ätherische Öl viel zu selten seinen Weg in ein Massageöl, leider muss ich sagen. Es hat wohl damit zu tun, dass ich selber den Duft des ganzen Krautes bevorzuge, ja sogar liebe, da es mich an heisse Sommertage auf griechischen Inseln erinnert. Und so kam es zu meiner Rezeptempfehlung mit getrocknetem Oregano der Insel Andros, der immer noch wunderbar intensiv würzig duftet wie vor einem Jahr.

Cantuccini piccante

300g          helles Dinkelmehl

½ P.            Backpulver

1TL             getrockneter griechischer Oregano

etwas         Salz und Pfeffer

75g            getrocknete Tomaten (in Öl, diese etwas abtropfen), fein schneiden

1                 verquirltes Ei

ev.              etwas Olivenöl, je nach verwendeten Tomaten

ca. 1dl         Wasser

Den Backofen auf 200° vorheizen.

Zuerst Trockenzutaten mischen, dann die übrigen Zutaten einarbeiten und mit etwas Wasser zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten.

Aus dem Teig etwa 4 Rollen formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen.

Die Rollen 15 Minuten vorbacken, bis sie leicht angebräunt sind. Herausnehmen und etwas auskühlen lassen. In Stücke schneiden und diese mit der Schnittfläche wieder aufs Blech legen.

Bei 150° ungefähr 45 Minuten im Ofen trocknen lassen, sodass knusprige Cantuccini entstehen.

Diese einfach so zu Wein geniessen oder wenn man sie in einer etwas flacheren und breiteren Form herstellt wie meine Prototypen, mit einer Crostini Paste bestreichen.

Mit diesem Rezept, das Feriengefühle weckt, wünsche ich Euch allen einen schönen Sommer. Odorata geht in Sommerpause und ich freue mich, wenn ich im September wieder voller Inspiration für Euch schreiben darf.

 

Herzlichst

 

Eure Odorata

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