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Ringelblume – die Wundheilpflanze schlechthin

Ich liebe Mythen und Märchen und so bin ich auf den folgenden Brauch gestossen, dass mit der „Wucherblume“, von der man sich eine blühende und wachsende Liebe verspricht, sich auch die Liebe erzwingen liesse.

Dazu gräbt die junge Frau die Erde aus, in welcher sich die Fussspur des Auserwählten abgedrückt hat, gibt sie in einen Blumentopf und pflanzt die „Niewelkblume“ hinein. Sobald die ersten Blüten erscheinen ist der Zauber besiegelt und die Liebe des Burschen entflammt (ob er will oder nicht!). So wie die Ringelblume wächst und blüht, so wird auch die Liebe wachsen, blühen und nie welken. Beim Ausprobieren dieses alten Zaubers sollte man sich aber unbedingt sicher sein, dass es sich um den richtigen Fussabdruck handelt. Wer weiss, wen man sonst am „Bändel“ hat!


Woher der botanische Name Calendula officinalis kommt, da scheiden sich die Geister. Fest steht, dass beide Erklärungen für die leuchtende Ringelblume mit enormer Wuchs- und Regenerationskraft sprechen. Calendae steht im Lateinischen für die Mehrzahl von Monat, da dieses Abbild der Sonne über Monate in unseren Gärten blüht. Caltula nennt man ein Frauenkleid von gelber Farbe, was sich auf die Farbe der Goldblume bezieht, die von gelb bis orange in allen Nuancen reicht.

Ursprünglich stammt die Calendula aus Nordwestafrika und hat sich von da in alle Richtungen auf Weltreise gemacht. Heute gehört sie zu den bekanntesten Garten- und Kulturpflanzen. Der einjährige Korbblütler liebt Wärme, gleichzeitig ist er wenig kälteempfindlich. 

 

Aus den gekringelten Samen wächst, kaum auf die Erde gelegt, die bis zu 50 Zentimeter hohe Pflanze mit krautigem Stängel, weich behaarten Blättern am Rand kurz bewimpert.

Verreibt man die Blätter zwischen den Fingern, verströmen sie einen angenehm würzigen Geruch, leicht zitronig und frisch.

Die Wucherpflanze blüht umso üppiger je häufiger man die Blütenköpfe erntet und so kann es gut sein, dass pro Pflanze zwischen Juni und Oktober bis zu 50 Blüten unsere Gartenapotheke bereichern und unser Herz erfreuen.

Im sonnigen Garten streut man die Samen des Lichtkeimers von März bis Mai nicht zu dicht einfach auf die Erde, denn sie brauchen Luft und Licht um zu keimen. So gedeihen sie problemlos und sind zudem eine wertvolle Bereicherung in unserem Gemüsegarten. Einzig der Mehltau kann der Ringelblume bei grosser Trockenheit ab August zusetzen und sie verliert bald die Lust am Blühen.

Als Mischanbau mit Knoblauch reduziert sich jedoch die Pilzgefahr und bringt beiden messbare Ertragsvorteile.

Zudem hat die Ringelblume einen heilsamen Einfluss auf den Gartenboden. Die langen Pfahlwurzeln lockern die Erde und deren Wurzelausscheidung vertreibt Nematoden. Dies sind Fadenwürmer, die die Wurzeln von Pflanzen anzapfen und absterben lassen. Dafür besonders anfälliges Gemüse sind Kartoffeln und Möhren. So eignet sich für diese eine Mischkulturen ganz besonders und ist zudem eine Freude fürs Auge.

An der Sponsa solis (Sonnenbraut) können wir das Wetter und die Tageszeit ablesen, je nach dem wann und wie sie ihre Blütensonnen dem Sonnengott Helios zuwenden.

  • Öffnen sich am frühen Morgen ihre Blütenblätter, verspricht es ein sonniger Tag zu werden
  • Sind die Blüten morgens um sieben noch geschlossen, gibt es laut Ringelblumenuhr Regen
  • Abends gegen 17.00 schliessen sich die Blütenköpfe der Safranrose wieder

Diesen poetischen Namen haben die Perser und Griechen dieser essbaren Blüte gegeben, da sie diese oftmals als Safranersatz verwendeten und die Calendula noch heute zum „Strecken“ von echtem Safran verwendet wird.

In der Wildkräuterküche verwendet man lediglich die am Rand dreigezähnten Blütenblätter. Kelch und Röhrenblüten würden uns im Hals kratzen.

 

Zu Heilzwecken empfiehlt es sich die gefüllten orangeroten Blüten zu verwenden. Die ganzen Blütenköpfe ohne Stiel um die Mittagszeit geerntet enthalten viel mehr ätherische Öle und die meisten Karotinoide.

Calendula ist die Wundheilpflanze schlechthin, vergleichbar mit der Arnika, jedoch milder und nebenwirkungsfrei. Es besteht keine Gefahr der Kontaktallergie.

Die oben erwähnten Karotinoide, der orange Farbstoff, den wir aus der Karotte kennen, ist vor allem verantwortlich für die wundheilungsfördernde Wirkung:

  • Entzündungshemmend
  • Förderung von Narbengewebe, somit ein rascherer Wundverschluss
  • Unterstützt den Abfluss von Lymphflüssigkeit und wirkt somit Ödemen (Schwellung im Gewebe) entgegen
  • Macht die Haut geschmeidig, weich, elastisch und widerstandsfähig

Andere Wirkstoffe, wie die ätherischen Öle, wirken:

  • Antibakteriell
  • Antiviral (gegen Herpes, Pilze und Trichomonaden)
  • Immunstärkend

Diese Wirkungsweisen können wir uns auch in der Hautpflege von sensibler, trockener oder überempfindlicher Haut zu Nutze machen, so auch bei kleineren Verletzungen oder zu Allergien neigender und gereizter Haut. Auch die sensible Baby- und Altershaut wird es uns danken.

 

Gerade Weleda bietet hier bewährte Fertigpräparate an. Natürlich können wir auch unsere eigenen Produkte herstellen, unseren Haustee mit den leuchtenden Blütenblättern anreichern oder Gerichten in der Wildkräuterküche einen leuchtenden Farbtupfer aufsetzen. Was unbestritten ist, dass die Heilkraft im frischen Zustand am grössten ist.

Beim Trocknen sollten wir auf einen schnellen und guten Trocknungsvorgang achten, da gerade in den ganzen Blütenköpfe Schleimstoffe enthalten sind, die sonst unser Trockengut schimmeln lassen. Und da der orange Farbstoff sehr lichtempfindlich ist, die Blütenblätter am Schatten trocknen und lichtdicht aufbewahren.

In der Küche verwende ich die Blütenblätter vorwiegend als Dekoration. Sie könnten auch zum schmackhaften Einfärben von Reis, Frischkäse, Gemüse und Suppen verwendet werden. Da bevorzuge ich jedoch den Geschmack und die Farbe des Safrans.

Einzig die Butter als dekorative Beigabe zu „Gschwellten“, da verwende ich die abgezupften Zungenblüten um eine Safranrosenbutter herzustellen, abgefüllt in kleine Schälchen und eingefroren als Vorrat für die kältere Jahreszeit.

Safranrosenbutter

250g       weiche Süssrahmbutter

2EL         Zitronensaft

1 Tasse    ausgezupfte Zungenblüten der Ringelblume

etwas      Curry und Salz

Ringelblumenblüten mit Zitronensaft in die weiche Butter einarbeiten. Am besten geht das mit einer Gabel. Mit Curry und Salz abschmecken.

Die Masse in kleine Förmchen einfüllen und einfrieren. So kann man je nach Bedarf die eine oder andere Portion bei Bedarf herausnehmen und vor dem Servieren mit getrockneten Ringelblumenblüten garniert zu „Gschwellten“ servieren.

Die Safranrosenbutter schmeckt auch zu Spaghetti, Gemüse, Fisch oder Geflügel.

Mit Sonne wurden wir diesen Sommer reich beschenkt. Jetzt holen wir uns mit der Sonnenbraut auch noch einen Vorrat für dunklere Jahreszeiten ins Haus, „sodass auch unsere Liebe nie enden soll, sondern immer neue Blüten treiben mag“!

 

Ich wünsche Euch weiterhin viele sonnige Tage, mit und ohne Calendula, und dass sie das eine oder andere Mal auch eure wunde Haut wieder heilmachen kann.

 

Herzlichst

 

Eure Odorata

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