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Kreuzkümmel - der Orientalische

Tagträumen gehört zu einer wirkungsvollen Entspannungsmöglichkeit und Düfte bringen uns auf dem schnellsten Weg an längst vergessen geglaubte Orte. Es tauchen Erinnerungen an Erlebtes auf, Farben, Düfte und Klänge werden lebendig.

Rieche ich beim Kochen am Gewürzglas, reise ich in Sekundenschnelle in ferne Länder. So ist der Kreuzkümmel für mich mit meinen unzähligen Reisen nach Marokko verbunden. Ist sitze plötzlich vor einer duftenden Tajine, gefüllt mit Fleisch und reichlich Gemüse, vor mir liegt die Weite der Wüste, unendlich scheinende steinige Ebenen, da und dort ein Akazienbaum, Stille, ein strahlend blauer Himmel und neben mir brennt das Feuer, auf dem die Berber frisches Fladenbrot backen, das als „Besteck“ dient, um den köstlich duftenden Eintopf zu geniessen. Gewürzt wird dieser mit reichlich Kreuzkümmel, dazu kommen Safran, Ingwer, Piment…ein immer wieder variierendes Geschmacksbouquet.


 

In unserer Küche kennen wir den Kümmel (Carum Carvi), der schwer verdaulichen Speisen beigegeben wird, Brot oder pikante Kuchen damit gewürzt werden können, auch auf einer Käseplatte finden wir gelegentlich Kümmel Samen. Kümmel lässt sich gut mit anderen Gewürzen kombinieren, da er einen weniger intensiven Geschmack hat als der orientalische Kreuzkümmel mit seinem starken Eigengeruch.

Als Heilpflanzen sind die beiden in ihrer Wirkungsweise fast identisch, unterscheiden sich jedoch in der Zusammensetzung des ätherischen Öles. Die enthaltenen Ketone im Kümmelöl sind in ihrer Anwendung nicht bedenkenlos. Deshalb wird in der Aromatherapie auch das mildere Kreuzkümmelöl bevorzugt.

Dies auch der Grund, warum ich diese Zeilen dem Kreuzkümmel widme. Zudem habe ich einen unübersehbaren Bezug zu diesem Gewürz, von Dufterinnerungen, vielerlei Kochrezepten bis hin zu einer Freundschaft mit den Berberfrauen, die den besten Kreuzkümmel in einer Frauenkooperative in Südmarokko anbauen, „le cumin de Tafrout“.

Der Mutterkümmel stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten und hat sich in weiten Teilen von Nord- und Südafrika verbreitet. In den Pharaonengräbern der alten Ägypter fand man Kreuzkümmelsamen, die diese als Heilmittel und Aphrodisiakum ihren Herrschern mit auf die Reise gaben.

Auch im römischen Reich hat sich der römische Kümmel als beliebten Brotaufstrich einen Namen gemacht. Heute können wir uns die orientalisch geprägte Küche nicht mehr ohne dieses Gewürz vorstellen, sei es in einem einfachen Kebab, in Humus, auch in einer spanischen Paella finden wir ihn.

Botanisch gesehen gehören der Kümmel und Kreuzkümmel derselben Pflanzenfamilie an, im Gegensatz zum Schwarzkümmel (Nigella sativa) mit seinen pechschwarzen Samen, der von einer ganz anderen Pflanze stammt, die mit unserer weitverbreiteten Jungfer in Grün verwandt ist.

Der Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) gehört zu den Doldengewächsen. Auf der einjährigen Pflanze mit ihren fein gefiederten Blättern blühen rosa oder weisse Dolden. Die verwendeten Samen sind eigentlich die Früchte der Pflanze und sind im Vergleich zum Kümmel kleiner, heller und teils fast grünlich, an denen kleine Stilreste hängenbleiben, was ihnen ein etwas borstiges Aussehen gibt. Im Geschmack sind sie eher bitter und würzig warm, der Duft hat etwas muffiges und doch einhüllendes und erinnert leicht an angenehmen Frauenschweiss (Männer mögen mir diesen Vergleich verzeihen und es nicht allzu persönlich nehmen). Das weibliche Pendant dazu bildet der Muskatellersalbei, der Frauenherzen hören schlagen lässt.

Dieser eigenartige Duft des Cumin lässt sich mit der genaueren Betrachtung des ätherischen Öles erklären. Die darin enthaltenen pheromonartigen Inhaltsstoffe sind einerseits zur Kommunikation zwischen Pflanzen und Tieren bestimmt, zudem aber auch Signalstoffe für zwischenmenschliche Beziehungen. Sie wirken aphrodisierend, mild angstlösend und vermitteln Sicherheit und Geborgenheit. Parfümeure verwenden sie seit jeher in sinnlichen Kreationen, besonders für maskuline Düfte wie After shave.

Zudem wirkt das ätherische Öl in Massageölmischungen durchblutungsfördernd und erwärmend. Eine Bauchmassage lindert Bauchkrämpfe, Blähungen, angespannte Muskeln werden weich und Gefühlskälte weicht einem wohlig geborgenen Gefühl.

Für die innerliche Anwendung verwendet man vorzugsweise die Heilpflanze als Ganzes beziehungsweisen dessen Früchte, einerseits als Tee oder als Gewürz. Denn wie eine alte Weisheit sagt, sind Nahrungsmittel unsere Heilmittel und umgekehrt.

Seine Hauptwirksamkeit hat das Wanzenkraut im Darmbereich. Ein gesunder Darm hat grossen Einfluss auf einen ausgeglichenen Stoffwechsel, ein kraftvolles Immun-system und wirkt nicht unwesentlich auf unsere Psyche.

So wirkt der Cumin die Verdauung unterstützend, immunstimulierend, entzündungshemmend, antimykotisch und beruhigend auf eine gestörte Darmtätigkeit.

Weniger bekannt ist seine Wirkung bei Fieber und Erkältung. Da bevorzugen die Berber den Schwarzkümmel, dessen ätherische Öle eine verstopfte Nase wieder freier atmen lassen.

Doch lassen wir es gar nicht erst soweit kommen und nutzen die Wirkungsweise dieser kleinen bräunlich bis grünlich schimmernden Samen indem wir unserem Essen eine orientalische Note geben. Der Tag beginnt mit einem einfachen Rührei, gewürzt mit Salz, schwarzem Pfeffer und Kreuzkümmel. Am Mittag verströmt sowohl die Fleisch wie auch die Gemüse Tajine den Duft des allgegenwärtigen Gewürzes. Und am Abend überrascht mich immer wieder eine neue Kreation meiner heiss geliebten "omlette berbère", ein einfaches Gericht der Wüstenbewohner, das ich euch nicht vorenthalten möchte und zudem ein wunderbarer Restenverwerter ist!

Omlette berbère

Zubereitet wird auch diese für den Süden Marokko`s typische Speise in einer Tajine. Das Gericht hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer italienischen Frittata oder spanischen Tortilla.

Zwiebeln, in Ringe geschnitten

Tomaten, Peperoni, Zucchini oder anderes Sommergemüse, in kleinen Würfeln

Eier (pro Person 2 Stück von glücklichen Hühnern)

Oliven

Koriander- oder Petersilie

Salz, Pfeffer und natürlich reichlich Kreuzkümmel

Den Ofen auf 200° vorheizen

 

Die Zwiebeln direkt in der Form andünsten, das geschnittene Gemüse dazugeben, ausgenommen die Tomaten. Die kommen etwas später dazu. Nach Bedarf wenig Wasser zugeben und das gewürzte Gemüse weich garen. Dann die Eier direkt in die Form aufschlagen und mit einer Gabel etwas verrühren. Eine Gratinform mit Alufolie abdecken und das Omlett stocken lassen. Danach noch 5 Minuten überbacken, damit das omlette berbère schön knusprig ist. Mit Oliven und Kräutern garnieren und servieren.

Gegessen wird dieses köstliche Alltagsgericht direkt aus der Tajine und wie könnte es anders sein, mit frischem Fladenbrot. Und falls unser Bauch auf dieses uns nicht allzu vertraute Gewürz reagiert, mildert die Kombination mit den Kohlehydraten etwas seine Intensität, sodass unser Darm nicht allzu viel Schwung erhält und uns Bauchkrämpfe plagen.

Ich hoffe, ihr habt den kurzen Ausflug in ein für mich immer wieder faszinierendes und so vertrautes Land mit seinen Gerüchen genauso genossen wie ich. Dass euch der Duft des orientalischen Kümmels auch auf eine Reise mitnimmt und eurem Immunsystem zu wahren Höhenflügen verhilft.

 

Tragt Sorge zu euch, herzlichst

 

Eure Odorata

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