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Kapuzinerkresse - Die scharf Wirksame

In der Kartause lebte einst ein Mönch, in braunem Gewand wie es sich gehört, jedoch mit einer besonderen Vorliebe für Farben, rot- orange Nuancen im Besonderen. Mild belächelt von seinen Mitkapuzinern, wurde er von ihnen «Cappuccino» gerufen, da seine Kapuze immer mit einer frischen, blutroten oder orangen Blüte aus dem Kräutergarten geschmückt war. So unscheinbar diese an eine Kapuze erinnernde Blüte mit ihrem Sporn aussieht, umso erstaunlicher ist ihre Wirkung. Davon brauchte niemand Cappuccino zu überzeugen. Jeden Morgen besuchte er die rankende Pflanze im Kräutergarten mit ihren sattgrünen Blättern, die an ein Schild erinnern. Er empfand eine tiefe Verehrung für dieses kraftvoll blühende Pflanzenfeuerwerk.

 

Eines Morgens fand Cappuccino den müden und fiebrig wirkenden Tonsillone in der hintersten Ecke des Gartens sitzen, vor sich eine Tasse Salbei Tee, die er Schluck für Schluck trank. «Ich habe solche Halsschmerzen. Sie werden etwas besser, wenn ich diesen scheusslich schmeckenden Tee trinke oder damit gurgle, doch kehren sie nach einer gewissen Zeit wieder zurück» jammerte Tonsillone. Cappuccino holte aus seiner Zelle ein Glas mit grünen lustig schwimmenden Kräuterkugeln, in Essig eingelegt. «Lutsche jeden Tag drei bis vier dieser Samen und deine Halsschmerzen werden verschwinden». Und so war es! Bald erfüllte wieder der fröhliche Gesang von Tonsillone die alten Gemäuer der Kartause.

 

Diese Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Kapuzinern. So suchte auch Pipilone eines Tages Cappuccino auf und vertraute ihm unter vorgehaltener Hand an, dass er schon seit längerer Zeit unter einer hartnäckigen Blasengeschichte litt. Brennnessel, Löwenzahn und Co. würden ihm zwar zeitweilig Linderung verschaffen, aber der häufige und lästige Toilettengang würde immer wiederkehren. Cappuccino verordnete dem geplagten Pipilone mehrfache Spaziergänge in den Kräutergarten und den Genuss der kraftvoll blühenden Blüten. «Sie schmecken scharf und würzig, ein Genuss für deinen Gaumen. Die Schärfe wird den Mitbewohnern in deiner Blase jedoch nicht behagen». Was für eine Freude für Pipilone, dass er nach kurzer Zeit viel mehr Zeit im duftenden Klostergarten verbringen konnte als auf der stinkenden Latrine.

 

Beim Spaziergang durch den Kräutergarten mit seinem engsten Mitkapuziner Pulmone zupften und naschten die beiden da und dort von den Kräutern und natürlich auch die Blüten der Kapuzinerkresse. Pulmone wunderte sich über die sofort spürbare Wirkung dieser scharfen Würze. Nach Wochen konnte er wieder viel leichter atmen. Von diesem Tag an traf man auch ihn täglich im Garten bei der flammend rot blühenden Kapuzinerschönheit an und sein hartnäckiger Lungeninfekt war bald Geschichte.


Was in unseren Gärten jeden Sommer so selbstverständlich blüht ist eine im 16. Jahrhundert eingewanderte Pflanze von einem anderen Kontinent. Seefahrer brachten die blutrote Blume aus Peru nach Europa. Zuerst hielt sie als Kresse der Kapuzinermönche Einzug in die Klostergärten, was ihr auch den Namen gab. Mit dem Sporn an der umgedrehten Blüte erinnert sie an die Kapuze der Mönche.

 

Der Botaniker Carl von Linné (1707-1778) gab ihr dann den wissenschaftlichen Gattungsnamen Tropaeolum. Der Altgriechische Begriff «Tropaion» bezeichnet ein Symbol, das an genau der Stelle aufgestellt wurde, an der die Feinde sich vom Schlachtfeld abgewandt und die Flucht ergriffen hatten. So erinnerte Linné die Form der Blätter des Tropaeolum majus daran und wie wir später erfahren, nahm der Botaniker damit Bezug auf die Wirkung des pflanzlichen Antibiotikums.

Das Kapuzinerkressegewächs mit seiner reichen Formenvielfalt zählt bis zu 60 Arten. Das bunt grün rankende Blumengewirr schmückt auch in regenreichen Sommern unsere Gärten. Als Bodendecker mit seinen kreisrunden Blättern, der Stängel in der Mitte angewachsen, hält er den Boden feucht. Auf der mikroskopisch fein aufgerauten Blattoberfläche mit feinsten Nopen aus Wachskristalloiden perlt Wasser ab und keinerlei Schmutz bleibt haften. Dies nennt man in der Pflanzenwelt den «Lotuseffekt», weil man es bei dieser Wasserpflanze besonders schön beobachten kann.

Die Blütenvielfalt reicht von Rot über Orange bis Gelb. Neben den satt grünen Blättern reifen die zart hellgrünen, auffällig dreigeteilt gerillten Früchte heran. Lässt man diese an der Pflanze bis sie abfallen, sät sich die Pflanze selber aus, um im nächsten Sommer auf Humus reichem Boden, an sonnig bis halbschattiger Lage wieder als Feuerwerk aus Blüten in flammenden Farben zu wachsen.

Die Tochter von Carl von Linné entdeckte im 17. Jahrhundert ein wahres «Pflanzenspektakel». An heissen Sommerabenden entströmen kleinfeurige Lichtfunken den Blüten auf Grund von elektrischer Entladung wie man heute weiss. Ein wahres Feuerwerk und einzigartig in der Pflanzenwelt!

Wie dieses visuelle Phänomen muss man auch die Heilwirkung und Würze unmittelbar geniessen, denn die Kapuzinerkresse verliert ihre Wirkung beim Trocknen. In Essig lässt sich jedoch beides konservieren, Wirkung wie Würze.

Was hat denn dieses Tropaion (Schutzschild) zu bieten? Mit seinen scharf würzigen Senfölglykosiden gilt es in er Phytotherapie als pflanzliches Antibiotikum (Phytobiotikum). Wir wissen heute, dass 10 Gramm Kapuzinerkresse ein ebenbürtiger Penicillin Ersatz mit Breitbandwirkung sind. Die Wirkung ist zwar schwächer, aber ohne eine Resistenz zu entwickeln oder Allergie auszulösen.

Da die Senfölglykoside überwiegend über die Lunge und Nieren ausgeschieden werden, kommen sie auch da zum Einsatz:

 

  • Stärken die körpereigene Abwehrkraft durch Stimulation unspezifischer Immunreaktion
  • Hemmen Viren und Bakterien in ihrem Wachstum, zudem wirksam gegen krankheitserregende Pilze, vor allem auch im Magen-Darm-Bereich
  • Im Atemwegbereich kommt die Kapuzinerkresse vor allem bei Angina mit vereiterten Mandeln zum Einsatz
  • Hoch wirksam bei Harnwegsinfekten und wird hier mit Hilfe von Fertigpräparaten eingesetzt. Von Selbstmedikation mit der Pflanze wird dringend abgeraten, da so eine genaue Dosierung nicht möglich ist

 

Angocin Anti-Infekt N hat sich als Fertigpräparat etabliert, bestehend aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Es weist eine vergleichbare Wirkung zu einem Standard Antibiotikum bei Atem- und Harnwegsinfekten auf mit bedeutend geringerem Nebenwirkungspotenzial. Lediglich bei Überdosierung kann es zu Magen-Darm- und Nierenreizungen kommen. Eine Einnahme nach den Malzeiten ist Magen schonender und nicht länger als über 6 Wochen erlaubt, begleitet von einer «Alkohol Karenz».

Betrachten wir die Inhaltsstoffe der Kapuzinerkresse genauer, finden wir mit ihr eine schmackhafte Nahrungsergänzung:

  • Senfölglykoside verleihen der Kresse ihre Schärfe, mindern jedoch wahrnehmbar die Alkoholtoleranz
  • Die Pflanze enthält ausnehmend viel Vitamin C und auch B Komplexe
  • Über Flavonoide freuen sich beispielsweise unsere Blutgefässe, die Venen und das Herz
  • Karotinoide sind ein schmackhaftes Antioxidativ wie wir wissen
  • Wichtige Mineralien wie Schwefel, Kalium, Magnesium und Eisen benötigen wir für grundlegende Stoffwechselvorgänge in unserem Körper

Für Genuss und als unterstützendes Heil- und Würzkraut lassen sich alle oberirdischen Pflanzenteile der Kresse ernten.

  • Blüten eignen sich als essbare und dekorative Zierde auf einem Salat
  • Blätter und Stängel sind scharf und pikant, kommen fein geschnitten wie Schnittlauch zum Einsatz und wirken besonders Blut reinigend. Eine ideale Bereicherung in einem bitteren Salat, ein Luftsprung für die Leber
  • Die Früchte in Essig eingelegt sind ein möglicher Kapernersatz und wie wir schon gehört haben eine wirksame «Lutschtablette» bei Halsschmerzen

Da die Kapuzinerkresse frisch am wirksamsten und schmackhaftesten ist, überlasse ich die dekorativen Küchenideen Eurer Fantasie. Was ich Euch jedoch mitgeben möchte sind zwei Rezepte für Küche, Haut und Haar, um die bunte Sommerschönheit, die viel Wärme braucht, als Hausmittel und zum Genuss zur Hand zu haben.

Essig der Kapuziner

1 Hand voll Blüten und fein geschnittene Blätter

1 Liter milden Bio Apfelessig

 

Die Blüten und Blätter locker in ein Glas füllen und mit Essig aufgiessen, sodass die Pflanzenteile bedeckt sind. Nach einer Woche ist ein zart pikanter Kräuteressig entstanden und gleichzeitig eine kleine Hausmedizin.

  • Für eine Stoffwechsel und Darm regulierende Kur 2 TL Essig in 1 Glas Wasser geben und trinken
  • Zum Gurgeln bei Halsweh und Angina
  • Als Haarspülung bei strapaziertem, schuppigem und fettem Haar. Essig im Verhältnis 1:5 mit lauwarmem Wasser mischen

...und noch ein dekoratives Genussrezept zum unmittelbaren Verzehr bestimmt!

Kapuziner Butter

250g Butter

1 EL         Zitronensaft

50g         Ricotta

        Salz

2-3           Hand voll Blüten, einige Stängel, wenige Blätter

 

Die Blüten und Blätter von Insekten befreien und ganz fein schneiden. Pflanzenmaterial mit den übrigen Zutaten gut mischen und zu einer Rolle formen und in kleine, dekorative Schälchen füllen. Kühl stellen.

Zu Geschwellten, Brot, Gemüse, Fleisch, Pasta oder Reisgerichten servieren.

 

Die Blüten können auch mit einer milden Meerrettich Crème als dekorative Apéro Häppchen serviert werden.

Zögert nicht und geniesst noch die bunte Blütenpracht, legt Euch einen kleinen Vorrat an, denn sobald der erste Frost uns erreicht kann es über Nacht aus sein mit der leuchtenden Blütenpracht.

 

Ich wünsche Euch genussvolle letzte Sommertage

 

Eure Odorata

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