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Salbei - "Heil der Welt"

Auf der Suche nach Mythen und Geschichten über den Salbei, bin ich auf eine gestossen, die mich zum Schmunzeln brachte.

Ein sicherer Zauber, um die Liebe eines Menschen für sich zu gewinnen, bestand darin, mit einer ungebrauchten (!) Nadel drei Löcher in ein Salbeiblatt zu stechen und ein Haar des Auserwählten zusammen mit einem eigenen durch die Löcher zu fädeln. Man musste sich jedoch ganz sicher sein, dass es wirklich das richtige Haar war, sonst gewann man möglicherweise die Liebe des Falschen. Nun wird das Blatt zusammengerollt und in Wachs getaucht. Anschliessend vergrub man das „Salbeipäckli“ unter der Türschwelle des Angebeteten. Heute im Betonzeitalter ein eher schwieriges Unterfangen.

Zudem hatte dieses aufwendige Ritual noch eine kleine Erschwernis: Es musste ein Schamhaar oder Haare aus der linken Achselhöhle sein. So ist es doch nicht erstaunlich, dass der Zauber so selten erfolgreich angewendet wurde und sich mittlerweile Partnerplattformen so erfolgreich durchgesetzt haben.

 

Doch wenden wir uns den wirklichen Heilkräften zu, die zu Aussagen wie „Salbei im Garten, der Tod kann warten“, führten.


Schon allein in Griechenland finden wir über 20 Salbeiarten, von denen wir zwei zu Heilzwecken verwenden: den gängigen Gartensalbei, Salvia officinalis und den Dreilappigen, Salvia triloba.

Der Königssalbei ist eine mediterrane Pflanze und wächst in heissen Macchia Gebieten in Italien, Griechenland und Südfrankreich. Er gehörte zudem zu den Heilpflanzen, denen Karl der Grosse schon im 8. Jh. einen festen Platz in den Klostergärten nördlich der Alpen zuwies. An einem sonnigen und trockenen Standort auf eher kalkhaltigem Boden gedeiht er in unseren Gärten bestens. Sein Silberpelz auf der Blattoberseite dient als Sonnenschutz. Auf der Blattunterseite befinden sich die Öldrüsen, aus denen der typische, teils fast medizinisch anmutende Duft strömt. An aufrechten Scheinähren sitzen die blau-violetten Blüten von Ende Mai bis Juni und locken die Bienen an.

 

 

Kurz bevor die Blüten aufgehen, ist auch der beste Erntezeitpunkt, wo der Gehalt an ätherischen Ölen am grössten ist. Für die Küche kann das Chüächlichrut aber durchaus auch im Winter verwendet werden.

Seine Heilwirkung hat der Tugendsalbei vor allem im Bereich der Atemwege:

  • Gurgeln mit kaltem Tee (10 Min. ziehen lassen) bei eitriger Angina, Halsweh und Heiserkeit wirkt entzündungs- und bakterienhemmend. Nicht anwenden bei trockenem und Reizhusten, da die enthaltenen Gerbstoffe die Schleimhäute noch mehr austrocknen
  • Mundspülungen bei Zahnfleischentzündungen, Mundgeschwüren und Prothesendruckstellen helfen der Schleimhautoberfläche eine schützende Barriere zu bilden
  • Mit frischen Blättern entzündetes Zahnfleisch massieren. Zudem verhindert der Zahnsalveis Ablagerungen von Zahnbelag und dient zur Not als Naturzahnbürste und verhilft zu frischem Atem
  • Als pflanzliches Deodorant normalisiert der Echte Salbei übermässige Schweissabsonderung und reguliert das Zentralnervensystem. Durch seine leicht östrogenwirksamen Inhaltsstoffe hilft er auch bei Wallungen im Wechsel. Dazu 2-3 Tassen lauwarmen Tee (nur 3 Minuten ziehen lassen um den Magen zu schonen) über den Tag verteilt trinken
  • Eine Räucherung mit dem Rauchsalbei vertreibt Geister und negative Schwingungen, ein Ritual, ideal vor dem Einzug in eine neue Wohnung

Wissenschaftler haben zudem herausgefunden, dass die Duftstoffe des Salvia officinalis den Gehirnstoffwechsel aktivieren und dadurch die Gehirnleistung gesteigert wird.

 

Bei einer reinen Duftanwendung findet eine vermehrte Ausschüttung des Botenstoffes Acetylcholin statt, der uns zu einer besseren Informationsverarbeitung verhilft und bei der Alzheimererkrankung zunehmend fehlt. Ein spannender Aspekt für die Alzheimerforschung!

Das reine ätherische Öl des Salvia officinalis gehört jedoch in therapeutische Hände, da es zu hoch dosiert epileptische Anfälle auslösen oder abortiv wirken kann. Das Riechen an den intensiv würzigen und belebenden frischen Blättern ist jedoch völlig unproblematisch. In der Schweiz fanden sich Salbeiblätter in den Gebetsbüchern der alten Frauen. Das Schnuppern an der Altweiberschmeckete bewahrte sie während der Predigt vor dem Einschlafen.

In der Küche entfaltet sich das Aroma am besten, wenn der Salbei mitgebraten oder mitgekocht wird. Seit der Antike ist er eine beliebte Gewürzpflanze vor allem in der italienischen Küche. Er macht Fleischgerichte und Eintöpfe bekömmlicher, da die Bitterstoffe die Fettverdauung unterstützen und Tomatensaucen oder einer Kräuterbutter gibt er den letzten Pfiff.

Die bekanntesten Rezepte sind mit Sicherheit Saltimbocca alla Romana oder die Salbeimüsli (das Rezept findet Ihr im Hopfen-Blog). Und immer wieder lecker schmecken Ravioli „con burro e salvia“!

Herbstliche Kürbisravioli „con burro e salvia“

Pasta Teig:

150g              helles Dinkelmehl

100g              Kastanienmehl

2                    Eier

etwas             Salz

1EL                 Olivenöl

ev.                  wenig Wasser

daraus einen geschmeidigen Teig kneten und zugedeckt etwas ruhen lassen.

 

Ravioli Füllung:

Kürbisschnitze auf ein Backblech legen, mit Olivenöl beträufeln, salzen und pfeffern und ab in den Ofen bis sie schön weich sind

Das Kürbisfleisch mit der Gabel zerdrücken und zusammen mit Ricotta und etwas Ziegenfrischkäse zu einer feinen Füllung verarbeiten und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nach Lust und Laune noch ganz fein geschnittenen Salbei dazugeben

 

Salbeibutter:

Kurz vor dem Servieren die Butter schmelzen und frische Salbeiblätter darin knusprig braten

Den Pasta Teig ganz dünn auswallen und in Abständen etwas Füllung darauf verteilen. Rund um die Füllung den Teig mit etwas Wasser benetzen und ein zweites Teigblatt darauflegen, leicht andrücken und mit dem Teigrädchen die einzelnen Ravioli „fatta a mano“ ausschneiden. Die Ravioli 3 Minuten im siedenden, nicht sprudelnden Wasser ziehen lassen, herausheben und auf warme Teller anrichten. Mit der Salbeibutter übergiessen, geriebenen Pecorino dazu servieren und geniessen.

Ich wünsche Euch einen bunten Herbst in vielfältigen Orangetönen, wie all die wunderbaren Kürbisse, die wieder einen neuen Zauber in die Küche und unseren Gaumen bringen!

 

Eure Odorata

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Kommentare: 1
  • #1

    Andrea (Mittwoch, 04 Dezember 2019 22:36)

    Danke liebe Cristina
    Wieder ein wunderbarer, lehrreicher und schön geschriebener Blog!!!
    Es ist einfach immer spannend und ein Vergnügen, deine Texte zu lesen! Herzlichen Dank!